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PRESSEBERICHT
- Ein Jahr nach der Ablehnung
der Europäischen Verfassung,
plant eine Gruppe pro-europäischer
Organisationen einen neue Aktion.
Unter dem Namen "Initiative
Citoyenne Européene"
(Initiative Europäischer
BürgerInnen) soll der Europäischen
Kommission eine von einer Million
europäischer Bürgerinnen
unterschriebene Petition vorgelegt
werden. Diese fordert die Einführung
des Procederes der europäischen
Bürgerinitiative, wie sie
in der Verfassung vorgesehen war
(wobei es einzig und allein Entscheidung
der Kommission ist, ob die Petition
angenommen wird oder nicht). Der
Vorstand von Newropeans, eingeladen
an der Aktion teilzunehmen, erklärt
in diesem offenen Brief warum
er die Initiative nicht unterstützt:
nach seiner Einschätzung
läuft sie dem Ziel der Demokratisierung
der EU zuwider. Gleichzeitig ruft
er alle jene Mitglieder pro-europäischer
Organisationen, die wirksam an
der Demokratisierung des Systems
arbeiten wollen, auf, sich Newropeans
anzuschließen und bei dem
einzigen politischen Rendez-vous
der 500 Millionen europäischen
BürgerInnen dabei zu sein:
den europäischen Wahlen im
Juni 2009.
-->
An die Verantwortlichen der Europäischen
Bürgerinitiative!
Sie haben uns gebeten, uns an
der Unterstützung ihres Projekts
zu beteiligen. Leider müssen
wir Ihnen mitteilen, dass wir
jedwede Art von Beteiligung ablehnen.
Denn wir vertreten die Auffassung,
dass das Ziel der Schaffung eines
Petitionsrechts in diametralem
Gegensatz zu Newropeans' Ziel
der Demokratisierung der Europäischen
Union steht.
Zum einen und
als grundsätzliche Anmerkung
besteht das Ziel Ihres Projekts,
entgegen dem ersten Anschein,
nicht darin, den Bürgerinnen
und Bürgern in Europa mehr
Teilhabe am politischen Prozess
der EU zu verschaffen; vielmehr
geht es darum, die bürokratische
Macht der Kommission weiter zu
stärken. Das Petitionsrecht,
für das Sie die Unterstützung
durch eine Million Europäerinnen
und Europäer gewinnen möchten,
hat nichts, aber auch gar nichts
mit Demokratie zu tun; denn das
Petitionsrecht, für das Sie
eintreten, würde der Kommission
das absolute und willkürliche
Recht verleihen, ein Bürgerbegehren,
das eine Million Menschen unterstützen,
aufzugreifen oder abzulehnen.
Für Newropeans bedeutet die
Demokratisierung der Europäischen
Union, den Bürgerinnen und
Bürgern weitgehende Teilhabe
am politischen Prozess zu sichern.
Das erreicht man aber nicht, indem
man die Macht der Bürokraten
stärkt, sondern vielmehr,
indem man die Macht der Bürger
und derjenigen, die sie als ihre
Vertreter wählen (also insbesondere
die Abgeordneten im Europäischen
Parlament), unmittelbar stärkt.
Zum anderen wollen
wir noch, als pragmatische Anmerkung,
auf folgende Probleme hinweisen:
Es gibt keinerlei Festlegungen,
wie und in welcher Form die Unterschriften
gesammelt und beglaubigt werden
müssen. Weiterhin besteht
weder juristisch die Möglichkeit
noch politisch der Wille, die
Unterschriftenaktion in irgend
eine Art von Rechtsakt zu wandeln.
Damit ist unvermeidlich, dass
die gesamte Unternehmung eine
Verschwendung von Energie, politischem
Engagement und zivilgesellschaftlicher
Motivation mit sich bringt. Die
Newropeans sind überzeugt,
dass - selbst wenn es gelänge,
eine große Zahl an Unterschriften
zu sammeln - ihr Projekt keinerlei
reelle Erfolgschancen besitzt.
Denn um ein solches Petitionsrecht
im Europarecht zu etablieren,
bedürfte es einer Änderung
der Europäischen Verträge,
ratifiziert von allen Mitgliedstaaten.
Sie räumen im übrigen
die Ohnmacht der Institutionen
in diesem Bereich selbst ein.
Die Newropeans wollen und können
sich nicht an einer Aktion beteiligen,
die die Bürgerinnen und Bürger
in Europa in politische Sackgassen
und bei denen, die Energie und
Zeit investiert haben, zu gesteigerter
Frustration führt.
Deshalb möchten
wir Sie bitten, Verständnis
zu haben, dass die Newropeans
nicht nur eine Beteiligung ablehnen,
sondern darüber hinaus -
in Übereinstimmung mit unseren
Zielen als erste transeuropäische
politische Bewegung - die Aufmerksamkeit
der Menschen in Europa auf die
Gefahr lenken werden, dass dieses
Projekt in seiner Zielsetzung
die Macht der Kommission zum Nachteil
des Europäischen Parlaments
und des Europäischen Rats
stärken möchte. Im übrigen
werden die Newropeans von nun
an zu allen Projekten der Zivilgesellschaft
eine Bewertung veröffentlichen,
ob sie - nach Auffassung der Newropeans
- die Demokratisierung der Europäischen
Union fördern oder behindern.
Alle, die fordern,
dass die Demokratie endlich Kernbestandteil
des Projekts der Europäischen
Integration wird, machen wir darauf
aufmerksam, dass die Newropeans
den schwierigen, aber notwendigen
Schritt der Schaffung der ersten
transeuropäischen politischen
Bewegung getan haben und in allen
Mitgliedstaaten der Europäischen
Union mit Kandidaten zur Europawahl
im Juni 2009 antreten werden.
Unser "Bürgerbegehren"
besteht darin, das Initiativmonopol
der Europäischen Kommission
aufzubrechen; wir wollen, dass
das Europäische Parlament
mit einem vollen Initiativrecht
ausgestattet wird (Vorschlag 5).
Wir unterstützen das Prinzip
der direkten Demokratie, indem
wir die Einrichtung von transeuropäischen
Referenda zu EU-Erweiterungen
und Änderungen der Europäischen
Verträge (Vorschlag 3) fordern.
Weiterhin erarbeiten die Newropeans
für ihr Wahlprogramm für
2009 einen Vorschlag zur Einrichtung
eines allgemeinen Petitionsrechts,
dessen Adressat jedoch unmittelbar
und ohne Einflussmöglichkeiten
für Bürokraten das Europäische
Parlament sein wird.
Mit den Europawahlen
im Juni 2009 werden die Menschen
Europas und die Demokratie Einzug
halten im Prozess der Europäischen
Integration. Alle, die wie wir
verlangen, dass das Gemeinschaftssystem
sich der Demokratisierung öffnet,
sind aufgefordert, den wahren
politischen Dialog mit 500 Millionen
Europäerinnen und Europäern
aufzunehmen.
Wir fordern alle
Bürgerinnen und Bürger,
die mit uns unseren Weg zur Demokratisierung
der EU gehen wollen - ob sie bereits
Mitglieder von bestehenden europäisch
ausgerichteten Organisationen
sind oder nicht -, auf, den Newropeans
beizutreten, anstatt ihre Zeit
mit Unternehmungen zu verschwenden,
die in solche Sackgassen führen
wie die, in der das Europäische
Verfassungsprojekt steckt. Wir
müssen ein vollständiges
Wahlprogramm erarbeiten und einen
gesamteuropäischen Wahlkampf
vorzubereiten, und dies unter
dem Zeitdruck eines unverrückbaren
Stichtags: Juni 2009. Alle, die
sich in dieser immensen Aufgabe
mit uns engagieren wollen, sind
hochwillkommen.
Wir alle müssen uns über
eine Tatsache im Klaren sein:
Wenn bis Juni 2009 keine transeuropäische
politische Bewegung entsteht,
die den Menschen in Europa Hoffnung
macht, dass Demokratie und Europa
kompatibel sein können, dann
werden die radikalen und nationalistischen
Parteien die großen Gewinner
der Europawahlen 2009 sein.
Wir Newropeans
vertreten die Auffassung, dass
Zeit und Energie zu kostbar sind,
um sie damit zu verschwenden,
als Bittsteller der Demokratie
gegenüber den Institutionen
aufzutreten. Macht muss erobert
werden. Wenn die Bürgerinnen
und Bürger Europas die Macht
in Europa erobern wollen, dann
müssen sie sich mit Blick
auf Juni 2009 in der politischen
Arena engagieren. Alles andere
ist, im besten Fall, eine Illusion
und Zeitverschwendung; im schlechtesten
Fall ein politisches Scheingefecht.
Mit freundlichen
Grüßen,
Für den
Newropeans-Vorstand
Franck
Biancheri - Vorsitzender der
Newropeans
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